Türkische Sprache

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Die türkische Sprache (Eigenbezeichnungen: Vorlage:Lang, Vorlage:Lang Vorlage:Audio-IPA) oder kurz: Türkisch ist die Amtssprache in der Türkei und gehört zu den oghusischen Sprachen. Als Alternativbezeichnung ist auch aus der Turkologie „Türkei-Türkisch“ (Vorlage:Lang) bekannt.

Türkisch enthält zahlreiche Mundarten, wobei heute die Istanbuler Mundart die türkische Hochsprache bildet. Weitere Mundarten innerhalb der Türkei werden in der Schwarzmeerregion sowie in Ostanatolien und an der Ägäis gesprochen.

Alljährlich finden die Internationalen Türkisch Olympiaden statt.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Das heutige Türkisch ist die Muttersprache von rund 71 Millionen Menschen in der Türkei (2008). 845.550 Menschen benutzen Türkisch in Bulgarien (1986), Usbekistan 26.485.000 (2006), Kasachstan 15.233.244 (2006), Kirgisistan 5.081.429 (2004), Tadschikistan 7.320.815 (2006) und Aserbaidschan 8.467.000 (2006), Türkmenistan 5.042.920 (2006). Für 264.172 (2006) Menschen ist Türkisch die Muttersprache auf Zypern und für 150.000 in Griechenland (1976).

63.600 Sprecher leben 1984 in Belgien, etwa 170.000 in Österreich (2000) und rund 2 Millionen in Deutschland (2003). Ferner sprachen 1982 in Rumänien noch 28.000 und auf dem Gebiet von Ex-Jugoslawien, insbesondere Mazedonien 250.000 türkisch.

Durch die Auswanderer sprechen in Frankreich 359.034, Niederlande 358.846, USA 250.000, England 150.000, Schweiz 75.448, Australien 63.000, Dänemark 54.859, Yunanistan 48.880, Kanada 41.000, Schweden rund 34.965, Norwegen 15.356 , Italien 14.124, Finlandiya 7.000, 34.965 15.000, Kazakistan 10.000, Türkmenistan 7.000, Kırgızistan 3.380, KKTC 146.442, Suudi Arabistan 115.000, İsrail 30.000, Lübnan 7.748 Birleşik Arap Em. 5.484, Kuveyt 3.262, Rusya 22.808, Japonya 6.309, Afganistan 4.500, Ukrayna 2.250, Gürcistan 2.000, Diğer ülkeler 42.875

1990 war Türkisch im Irak noch für rund 2.500.000 und im Iran für 20.000.000 Menschen die Muttersprache. In den Sprecher des Türkischen, In Frankreich gaben 1984 rund 135.000 und in den n knapp 150.000 Menschen Türkisch als Muttersprache an. 1988 wurden in Türkischsprachige registriert.

Zurzeit (2007) sprechen insgesamt ungefähr 150.000.000 Millionen Menschen Türkisch.

Klassifikation

Geschichte

Die heutige türkische Sprache geht direkt auf das Oghusische zurück, die Sprache der östlichen Turk-Stämme, die einst in Zentralasien siedelten und ab dem 8./10. Jahrhundert von den anderen konkurrierenden uyghurisch-türkischen Stämmen in den Westen verdrängt wurden. Daher zählte einst auch die Sprache der Göktürken, Seldschuken und der späteren Osmanen zu den westlichen Turksprachen.

Die Osmanische Sprache war sehr stark vom Arabischen und zu einem geringeren Teil auch vom Persischen beeinflusst. Im Jahre 1928 ergriff der laizistische Umsturz auch die Sprache. Die Einführung der lateinischen Schrift für die türkische Sprache in Staaten der Sowjetunion erleichterte auch die Verwendung des lateinischen Alphabets in der Türkei. Die Kontakte zu anderen Turkvölkern jenseits der Grenze sollte gewahrt werden. Die Abschaffung der arabischen Schriftzeichen führt zu einer Profanisierung der Schrift. Dieser Schritt vergrößerte die Distanz zur osmanischen und mehr noch zur islamischen Vergangenheit der Türken. Die Säkularisierung der modernen Türkei setzte sich fort.

Nach der Gründung der Türkischen Republik 1923 begann man in den 1930er Jahren, fremde Lehnwörter durch teils bereits vorhandene, teils neugebildete türkische Wörter zu ersetzen. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen, so dass sich immer noch viele Wörter arabischen und persischen Ursprungs finden. Aus osmanischer Zeit stammen auch viele italienische und griechische Lehnwörter, seit dem 19. Jahrhundert kam vor allem Vokabular französischer, im 20. Jahrhundert auch englischer Herkunft hinzu.

Die Vorlage:Lang, die „Gesellschaft der türkischen Sprache“, ist eine staatliche Einrichtung, die 1932 zur Returkisierung bzw. Modernisierung der türkischen Sprache gegründet wurde.

Als die engsten Verwandten der türkischen Sprache gelten heute das Aserbaidschanische und das Turkmenische. Im weitesten Sinne zählt auch der balkantürkische Dialekt der Gagausen im heutigen Moldawien zu den engeren Verwandten des Türkischen.

Vorlage:Lang ist das erste in türkischer Sprache verfasste Wörterbuch der türkischen Kultur und wurde von Kaşgarlı Mahmut (Mahmut von Kaschgar) am 25. Januar 1072 begonnen und am 10. Februar 1074 vollendet.

Alphabete

Hauptartikel: Türkische Lateinalphabete

Die alten Osttürken oder Oghusen waren ein bedeutendes Kulturvolk, sie besaßen in der türkischen Runenschrift ein bescheidenes alttürkisches Schrifttum.

Ab dem 10. Jahrhundert galten die Oghusen als islamisiert, und sie übernahmen die arabische Schrift, die um persische Zusatzzeichen ergänzt war. Allerdings war dieses Alphabet für die lautreiche türkische Sprache sehr ungeeignet.

Anfang 1926 nahm Kemal Atatürk im aserbaidschanischen Baku an einem Kongress der Turkologen teil, bei dem u. a. die Schaffung einer Lateinschrift für die Turkvölker gefordert wurde. (Aserbaidschan hatte schon seit 1922 eine lateinisch-basierte Schrift: das einheitliche türkische Alphabet.)

Seit 1928 wird das Türkische durch eine von Kemal Atatürk mitentwickelte Variante der lateinischen Schrift wiedergegeben. Atatürk nannte dieses neue Schriftsytem Neues türkisches Alphabet. Grundlage für die Neuschreibung der Wörter (wie für die allgemeine Sprachreform) war die Istanbuler Mundart. Bei den Schreib- und Ausspracheregeln existieren deshalb keine Ausnahmen.

Das türkische Alphabet umfasst 29 Buchstaben, wobei jedem Laut ein Buchstabe zugeordnet ist:

a b c ç d e f g ğ h ı i j k l m n o ö p r s ş t u ü v y z

Besonderheiten bei der Aussprache

Schriftzeichen Lautzeichen Beschreibung
c [[[:Vorlage:IPA]]] Affrikate wie dt. dsch in Dschungel
ç [[[:Vorlage:IPA]]] Affrikate wie dt. tsch in Kutsche
e [[[:Vorlage:IPA]]] Ungerundeter halboffener Vorderzungenvokal wie dt. ä in hätte
ğ [[[:Vorlage:IPA]]], [[[:Vorlage:IPA]]] yumuşak/weiches g: dient am Silbenende zur Dehnung des davor stehenden Vokals (etwa wie das Dehnungs-h), kann auch einen fließenden Übergang von einem Vokal zum nächsten bewirken; nach hellen Vokalen (e, i, ö, ü) oft wie ein leichtes (deutsches) j gesprochen
h [[[:Vorlage:IPA]]] Stimmloser glottaler Frikativ wie dt. h in Haus
ı [[[:Vorlage:IPA]]] Ungerundeter geschlossener Hinterzungenvokal, auch: ungerundetes u
j [[[:Vorlage:IPA]]] Stimmhafter postalveolarer Frikativ wie dt. j in Journal
o [[[:Vorlage:IPA]]] Gerundeter halboffener Hinterzungenvokal wie dt. o in Gott
ö [[[:Vorlage:IPA]]] Gerundeter halboffener Vorderzungenvokal wie dt. ö in möchte
r [[[:Vorlage:IPA]]] Stimmhaftes Zungenspitzen-R mit deutlichem Reibegeräusch
s [[[:Vorlage:IPA]]] Stimmloser alveolarer Frikativ wie dt. s in Sex oder ß in außen
ş [[[:Vorlage:IPA]]] Stimmloser postalveolarer Frikativ wie dt. sch in Schule
v [[[:Vorlage:IPA]]] Stimmhafter labiodentaler Frikativ wie dt. v in Vase
y [[[:Vorlage:IPA]]] Stimmhafter palataler Approximant wie dt. j in Jacke
z [[[:Vorlage:IPA]]] Stimmhafter alveolarer Frikativ wie dt. s in Sage

Die übrigen Laute werden wie im Deutschen ausgesprochen.

Die Buchstaben ä, q, w, x und ß werden im Türkischen nicht verwendet; j steht meist in Fremdwörtern.

Grammatik

Das Türkische ist eine agglutinierende Sprache und unterscheidet sich somit wesentlich von den indogermanischen Sprachen. Agglutination bedeutet, dass alle grammatischen Formen durch eine (eindeutige) Endung angezeigt werden. Dabei können mehrere Endungen aufeinander folgen, wobei die Reihenfolge festgelegt ist.

Beispiel: Vorlage:Lang – „Sie sollen den Drachen nicht runterschießen.“ (Filmtitel)

Man könnte den Satz wie folgt zerlegen:  Vorlage:Lang – „Drachen-den runterschießen-nicht-sollen-sie.“
Die Endung -yı zeigt den bestimmten Akkusativ an; -ma steht für die Verneinung; -sın steht für den Imperativ, -lar für die 3. Person Mehrzahl.

Bei der Suffigierung, also beim Anhängen der Endungen, spielt die Vokalharmonie eine große Rolle: die Vokale der Endungen richten sich nach dem letzten Vokal des Stammwortes bzw. der vorhergehenden Endung. Man unterscheidet hierbei die große Harmonie, bei der ein Endungsvokal zu ı, i, u oder ü werden kann, und die kleine Harmonie, die a und e als Alternativen kennt. Ein Beispiel für die kleine Vokalharmonie ist die Endung -da/-de für die Ortbestimmung:

Vorlage:Lang (im Garten), aber: Vorlage:Lang (im Restaurant).

Als Beispiel für die große Vokalharmonie dient die Endung -li/-lı/-lu/-lü; („aus ... stammend“):

Vorlage:Lang (der Berliner/die Berlinerin), aber: Vorlage:Lang, Vorlage:Lang, Vorlage:Lang.

Es kommt vor, dass infolge der Vokalharmonie mehrere Endungen mit dem gleichen Vokal aufeinander folgen (z. B. Vorlage:Lang: „ihr seid unruhig“). Da dies auch beim für deutsche Ohren offenbar lustig anmutenden ü der Fall ist (z. B. Vorlage:Lang: „ihr seid traurig, es tut euch leid“), wird das Türkische in Deutschland manchmal als „ü-Sprache“ bezeichnet.

Das Türkische kennt fünf Fälle: Nominativ, Akkusativ, Dativ, Lokativ und Ablativ, mitunter wird der Genitiv als sechster Fall genannt. Die entsprechenden Endungen sind

Als Zeitformen sind im Wesentlichen zu nennen: (bestimmtes) Präsens, Aorist, Optativ, (bestimmtes) Präteritum, Narrativ, Dubitativ sowie zusammengesetzte Zeitformen, hinzu kommen Passiv und Konditional. Nebensätze werden meist durch sogenannte Konverben ausgedrückt.

Weiterhin kennt das Türkische keinen Artikel und kein grammatisches Geschlecht.

Grammatikbeispiele

türkisch deutsch
Vorlage:Lang Haus
Vorlage:Lang im Haus, zu Hause
Vorlage:Lang Ihr Haus
Vorlage:Lang in Ihrem Haus
Vorlage:Lang wir sind in Ihrem Haus

Die Bildung von Begriffen aus Wortstämmen

türkisch deutsch
Vorlage:Lang Auge
Vorlage:Lang Brille
Vorlage:Lang Augenoptiker, Brillenverkäufer
Vorlage:Lang das Geschäft des Brillenverkaufes,
der Beruf des Augenoptikers

Wortschatz

Bild:TurkishVocabulary.png
Ursprung des türkischen Wortschatzes

Der Stamm von ursprünglichen türkischen Wörtern war im elitären Osmanischen Reich zugunsten von Lehnwörtern aus dem Persischen (Kunst, Kultur und Lebensart) und dem Arabischen (Religion) möglichst klein gehalten worden und galt als bäuerlich. Nicht alle diese Lehnwörter konnten im modernen Türkisch durch alte türkische Wörter oder durch türkische Neuschöpfungen ersetzt werden. Dennoch führte die vermehrte Verwendung von lehnwortfreiem Türkisch zu einer Identifizierung weiter Bevölkerungskreise mit dem Türkischen und zu einem nationalen Selbstbewusstsein.

Sprachen und Anzahl der Lehnwörter

Obwohl bei der kemalistischen Sprachreform viele arabische und persische Wörter durch türkische ersetzt worden sind, liefert die arabische Sprache neben dem Französischen besonders viele Lehnwörter.

Die folgenden statistischen Angaben nach einem türkischen Wörterbuch von 2005 erfassen alle Wörter der Schriftsprache.

Insgesamt 14,18 % (14.816 von 104.481) der Wörter im Türkischen sind Lehnwörter. Lehnwörter stammen aus folgenden Sprachen (Rangfolge nach der Anzahl der Wörter):

Laut einer Untersuchung von Tuba Ersöz ist der Anteil der Lehnwörter in der Pressesprache höher. Das ist insofern interessant, als die Pressesprache der Alltagssprache näher kommen dürfte, als die Wissenschafts- und Fachsprache:

Jahr türk. Wörter arab. Wörter pers. Wörter andere Sprachen
1931 35 % 51 % 2 % 6 %
1941 48 % 40 % 3 % 4 %
1951 51 % 35 % 3 % 6 %
1965 60,5 % 26 % 1 % 8,5 %
1995 70,9 % 19,7 % 1 % 8,4 %

Einige Beispiele für Lehnwörter aus anderen Sprachen:

Türkische Wörter in anderen Sprachen

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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